Die Burse in Tübingen, ein markantes Fachwerkgebäude mit rosa Fassade in der Bursagasse 1, ist ein bedeutendes Denkmal der Stadt und ein Zeugnis ihrer reichen Geschichte. Ursprünglich zwischen 1478 und 1482 erbaut, nur ein Jahr nach der Gründung der Eberhard Karls Universität, diente die Burse als Wohn- und Lehrstätte für Studenten. Ihren Bau verdankt sie maßgeblich der Initiative von Mechthild von der Pfalz, der Mutter des Universitätsgründers Eberhard im Bart.
Mit ihrem Wahlspruch „Attempto“ und einer eingravierten Palme am Eingang erinnert die Burse noch heute an die Ursprünge der Universität Tübingen. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Funktion des Gebäudes mehrfach: Zunächst als Zentrum humanistischer Lehre bekannt, wo Philipp Melanchthon vor seiner Berufung nach Wittenberg unterrichtete, wurde es im 19. Jahrhundert im klassizistischen Stil umgebaut und beherbergte das erste Klinikum der Stadt.
Zwischen 1806 und 1807 wurde hier der Dichter Friedrich Hölderlin von Johann Heinrich Ferdinand Autenrieth behandelt. Die historischen Treppenaufgänge und der von Platanen gesäumte Platz vor der Burse sind charakteristische Merkmale, die den Charme des Gebäudes unterstreichen.
Seit 1972 ist die Burse Sitz des Philosophischen Seminars und des Kunsthistorischen Instituts der Universität Tübingen. Mit einer Gedenktafel an ihrer Südseite ehrt sie das Wirken des Reformators Philipp Melanchthon. Das Gebäude, ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, steht unter Denkmalschutz (§ 12 DSchG) und ist heute im Besitz des Landes Baden-Württemberg.
Die umgebenden Straßennamen, wie die Bursagasse und die Clinicumsgasse, erinnern an die historische Bedeutung der Burse. In ihrer heutigen Nutzung bleibt sie ein zentraler Ort für Wissenschaft und Geschichte in Tübingen. Museen wie das Boxenstop und das Museum der Universität Tübingen bieten darüber hinaus spannende Einblicke in die lokale Kultur und Historie.